Sachsen | Bundeswehr-Konzert in Kirche gestört

Montag, 17. December 2012

Drei Antimilitarist*innen haben es zwar nicht geschafft, das Konzert zu unterbrechen bzw. abzubrechen, doch kam es daraufhin zu tumultartigen Szenen. Jene Personen standen vorne und hielten sekundenlang ein Transparent mit der Aufschrift „Krieg beginnt hier“. Der Rausschmiss dauerte wenige Sekunden, was dem groben Ordnungsdienst der Bundeswehr anzulasten ist.

 

Neben dem Transpi wurde „Nie wieder Krieg“ gerufen.

Warum die Akteure dann den irrelangen Spruch „Deutsche Waffen, Deutsches Geld, morden mit in aller Welt“ aufsagten, bleibt deren Geheimnis, denn mit einer Räumung hätteb sie ja rechnen müssen.

Wäre da nicht besser gewesen: „No sex with soldiers“, oder „Mord mit Gottes Segen“?

Noch länger geht es aber auch: „Soldaten sind Mörder und auch Soldatinnen und alle anderen Bundeswehrmenschen, die sich keinem Geschlecht zugeordnet fühlen“

Das Transparent war kaum zu lesen, da es nicht sehr hoch gehalten wurde, aber immerhin gelang dieser Schnappschuss inkl. „Krieg“.

Eine weitere Frage ist, ob es toll war, dass die Aktivist*innen: „Krieg beginnt hier“ aufs Transpi zu schreiben, denn dieser wird schon sehr oft verwendet und erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein 129a Verfahren zu bekommen. Wie wäre es mit „No sex with soldiers“ oder mit „1+2=3“. Letztgenanntes soll die Zuschauer*innen zum Nachdenken bewegen. Vielleicht kommt ja jemand auf den Gedanken, dass die Bundeswehr kein großes Interesse an Bildung für z.B. die afghanische Bevölkerung (keine Deutschen) hat, was an der Bombardierung der beiden Lastwagen zu erkennen ist, die Öl geladen hatten. Um die 90 Menschen starben. (1)

Unser Beitrag zur freien Bildung ist hier, dass dieser Artikel die Lizenz "Public Domain" hat.

 

Die unangemeldete Aktion fand übrigens erst nach ca. 10 Minuten statt, als die Bundeswehr ihr zweites Lied spielte. Es war nicht gerade leise und ob die Zuschauer*innen jenen lautstarken antimiltaristischen Beitrag verstanden, bleibt offen. Jene Bundeswehrveranstaltung begann mit einer Rede, wo es noch viel ruhiger war. Wenn verhindern, dann ganz, weil auch jenes lässt sich vermutlich unterbrechen. Die Musikanten (alle männlich) haben sich übrigens von der Aktion nicht aus dem Takt bringen lassen. Nach dem Lied nahm dann ein Soldat auf den Vorfall Bezug. Es klang wie auswendig gelernt und sehr sicher von der Ausdrucksweise. Folglich so, als hätte die Bundeswehr so etwas schon eingeplant. In seiner Rede sagt er, dass es in Deutschland die Meinungsfreiheit gebe und es auch somit zu tolerieren sei, wenn Menschen eine anderen Standpunkt vertreten würden. So eine Aktion wäre aber nicht gut, denn jene Leute hätten ja eine Versammlung anmelden können.

Der Applaus danach war lauter als am gesamten Abend. Später spielten die Mörder*innen noch Songs wie " Ceremonial March", „Pomp and Circumstance, Marsch Nr.1“ und „All I want for Christmas“. Letztgenannter wurde fälschlicherweise mit „All you want for Christmas“ angekündigt. Das Erfurter Bundeswehrorchester (Wehrbereichsmusikkorps III) bekam teils Unterstützung von einer Sängerin, welche ganz zivil gekleidet war und ziemlich unpolitisch angekündigt wurde. Wer nach dem Konzert immer noch dachte, dass hier jemand Neutrales auftrat, musste schon ziemlich doof sein.

Eine weitere weibliche Person, welche auftrat, sagte ein Gedicht auf. Na ja, die Soldatin laß das Gedicht mehr oder weniger ab.

In der Kirche gab es übrigens eine Zweiklassengesellschaft, weil die Bundeswehrmenschen die vorderen beiden Blöcke reserviert bekamen.

 

Wer nicht zur Kriegsbande dazugehörte und trotzdem vorne sitzen wollten, saß schon um 18 Uhr auf seinem Platz, da sich dieser Ort schnell füllte. Jene Antimilis hatten hervorragende Plätze. Gute Vorbereitung. In diesem Fall stimmt das Gerücht übrigens nicht, dass Kirchen vor BW-Konzerten tagelang vorgeheizt werden. Kalt ja, aber was tut mensch nicht alles für ein bischen Werbung für den Frieden.

 

Um kein Aufsehen zu erregen, blieb der Kameramensch bis zum Ende, um dann in der Masse unterzutauchen. Ein paar Cents der Bundeswehr gespendet, aber mehr als 1 Cent für jeden Musikanten war es nicht. Den Spendeneintreibern noch einen schönen Abend gewünscht, Klamotten gewechselt und abgehauen, weil es wäre ja schade gewesen, ohne Fotos den Heimweg anzutreten. (Von "Bestechung" wird abgeraten)

Ein paar Fragen blieben aber offen: Dieses Konzert kam dank staatlicher Förderung ohne musikalische Fehler aus, nur wozu dann in grauen Tarnanzügen spielen? Habt ihr nichts zum Töten, dass ihr Musizieren müsst? Glaubt ihr, Fotos von Leichen zu zeigen, bringt euch weniger Geld ein ? Wo ist die Trennung von Staat und Christentum, wenn sie nicht mal hier ist? Wozu sammelt ihr Gelder, wenn ihr Steuergelder bekommt?

 

Möchte wer griechische Zustände, wo überall gekürzt wird, nur nicht beim Militär? (1)

Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!

 

Ob es ein nächstes Mal bzgl. Protests geben kann, hängt auch davon ab, ob die Bundeswehr in Deutschland eingesetzt wird! Mensch weiß ja nie... (2)

 

Antimilitarist*innen, die immer noch Kirchenmitglied sind, wird ans Herz gelegt, umgehend auszutreten. Brecht euren Konfirmations- oder Kommunionsunterricht ab. Wenn ihr es auch wegen der Kohle (evtl.) macht, die ihr bei der Feier bekommt, dann geht lieber irgendwo arbeiten, wo es keinen kirchlichen Bezug gibt. In 1,5 Jahren dürften ihr locker mehr verdient haben, als euch Freunde und Verwandte schenken wollen. Auch religiöser Unterricht ist Arbeit wie z.B. das sexistische „Vater Unser“ auswendig zu lernen. Oder macht selbst Aktionen, wie wir.

 

Wie auch immer: Die Religionsfreiheit steht im deutschen Grundgesetz, was wir akzeptieren. Doch was ist mit der Religionsgleichberechtigung? Wie kann es sein, dass das Christentum steuerliche Vorteile genießt? (3) Was ist mit Atheist*innen?

  1. http://www.zeit.de/online/2009/37/afghanistan-angriff-nato
  2. http://www.tagesschau.de/ausland/griechenlandruestung100.html

  3. https://www.focus.de/politik/deutschland/bundeswehr-einsaetze-im-inland-verfassungsrichter-gaier-stellt-sich-gegen-seine-kollegen_aid_801872.html

  4. http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2012/kirchen109.html

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/74176