Proteste gegen Rüstungsindustrie an der TU Dresden

Montag, 3. Juni 2013

Schon Ende April protestierten mehrere Studentinnen und Studenten der TU Dresden gegen die Präsenz der Bundeswehr auf einer Messe für Studierende. Neben der Bundeswehr konnten sich an zwei Tagen auch zahlreiche weitere Waffen- und Rüstungskonzerne als künftige Arbeitgeber vorstellen. Als Reaktion auf eine künstlerische Performance, bei der sich die beteiligten Personen mit roter Farbe angemalt vor den Stand der Bundeswehr legten, wurde von der Messeleitung die Polizei verständigt. Im Anschluss daran erhielten alle Beteiligten einen Platzverweis für das Gelände hinter dem Hörsaalzentrum.

Heute Mittag protestierten am Rande der inzwischen schon 23. bonding-Messe erneut etliche Studierende gegen die Präsentation der Bundeswehr auf dem Campus der TU Dresden. Nach einer Kunstaktion, bei der sich Studentinnen und Studenten vor dem Stand der Bundeswehr mit roter Farbe eingefärbt und auf den Boden gelegt hatten, riefen die Messe-Verantwortlichen die Polizei, welche die Gruppe aus dem Zelt hinter dem Hörsaalzentrum nach draußen schaffte und gegen alle Beteiligten einen Platzverweis aussprach. Der Protest richtete sich vor allem gegen den Kriegseinsatz in Afghanistan, bei dem die Bundeswehr schon mehrfach wegen der Tötung von Zivilisten scharf kritisiert worden war. Schon in den vergangenen Jahren war es dabei immer wieder zu Protesten von Initiativen gekommen.

Die Firmenkontaktmesse findet seit mehreren Jahren an elf Hochschulstandorten in ganz Deutschland statt und geht auf eine Initiative von Studierenden zurück. Die in Dresden zu Beginn der 1990er Jahre gestartete Veranstaltung bietet auch in diesem Jahr über zwei Tage insgesamt 170 Unternehmen die Möglichkeit, sich als künftige Arbeitgeber vorzustellen und geeignete Praktikas zu vermitteln. Zusätzlich zum eigentlichen Messeprogramm finden zahlreiche Vorträge und spezielle Informationsveranstaltungen statt. Unterstützt wurde die Messe in diesem Jahr unter anderem durch den niederländisch-britischen Konzern Unilever, dem Umweltschutzgruppen als weltweit größten Palmöl-Verarbeiter seit Jahren Menschenrechtsverstöße und die Zerstörung von Regenwäldern vorwerfen. Erst vor zwei Jahren war das Unternehmen wegen Preisabsprachen von der Europäischen Wettbewerbsbehörde zur Zahlung einer Geldstrafe von mehr als 100 Millionen Euro verurteilt worden.

Die Kampagne ban bonding kritisierte in einem offenen Brief, dass die "Aus­bil­dung von Fach­kräf­ten für die Rüs­tungs­in­dus­trie nicht mit den ge­sell­schaft­li­chen Auf­ga­ben der Uni­ver­si­tät ver­ein­bart wer­den" kann und forderte die Universitätsleitung der beiden größten Dresdner Hochschulen dazu auf, "ihre Un­ter­stüt­zung für die bon­d­ing-​Fir­men­kon­takt­mes­se zu­rück zu zie­hen". Da ihrer Ansicht nach in den vergangenen Jahren "mehr als genug Kri­tik" geäußert worden sei, riefen sie zur Verhinderung der Veranstaltung auf. Neben der Bundeswehr war heute auch der Bundesnachrichtendienst mit einem Stand vertreten. Morgen werden darüber hinaus Europas größter Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS und die Diehl Stiftung & Co. KG Studentinnen und Studenten über Perspektiven in ihren Unternehmen informieren. Während Cassidian, die Rüstungssparte von EADS, im vergangenen Jahr noch rund 5,7 Milliarden Euro mit Rüstungsgütern erwirtschaftete, gilt die Diehl Stiftung & Co. KG zu Deutschlands führenden Minenproduzenten.

Bundespolizei in Saudi-Arabien: Von EADS bezahlt.