Potsdam | Erneut Protest gegen Garnisonkirche

Freitag, 22. March 2013

Trotz Schnee und Kälte versammelten sich am Donnerstag abend rund 200 Menschen zu einer Kundgebung am früheren Standort der 1945 stark beschädigten und 1968 abgerissenen Potsdamer Garnisonkirche. Sie protestierten gegen den Plan, den Sakralbau neu zu errichten. In Redebeiträgen erinnerten sie an die Geschichte der Kirche, insbesondere an den Händedruck von Hitler und Hindenburg vor genau 80 Jahren am »Tag von Potsdam«, aber auch an ihre Rolle als Symbol des preußischen Militarismus (siehe jW vom 21.3.).

Der Wiederaufbau soll größtenteils aus Spenden finanziert werden. Besonders unterstützt wird er von der evangelischen Kirche und von der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel, die von hohen Bundeswehroffizieren getragen wird. Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Garnisonkirche, die 2004 eine »weltweite Hilfsaktion« für den Wiederaufbau initiiert hatte, ist der evangelische Altbischof Wolfgang Huber. Gut fünf Millionen Euro Spendengelder kamen bisher zusammen. Die veranschlagten Kosten belaufen sich nach bisheriger Schätzung aber auf 100 Millionen. Die Gegner fürchten, daß am Ende doch öffentliche Mittel dafür bereitgestellt werden.

In Potsdam kämpfen Bürgerinitiativen seit Jahren gegen den Wiederaufbau. »Diese Kirche ist ein Symbol für Krieg, und das will ich auf keine Fall«, sagte eine Teilnehmerin auf der Kundgebung am Donnerstag. Lisa Müller, Sprecherin der Initiative »Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche«, verwies auf die zahlreichen Militärs im Unterstützerkreis für den Neubau. Müller sprach sich dafür aus, den Standort der alten Kirche durchaus als »Ort des Gedächtnisses« zu etablieren, »aber nicht in Form der ursprünglichen Kirche«. Vielmehr sollte hier ein »Antikriegsmahnmal« entstehen. Bei einem Neubau bestehe die Gefahr, daß er sich zu einem »Wallfahrtsort für Faschisten« entwickle.

Andere Demonstranten verwiesen auf die immensen Kosten des Projekts. »Statt einen Tempel zu bauen, sollten sie den Platz lieber sinnvoller nutzen, für bezahlbare Wohnungen zum Beispiel«, sagte ein Bürger. »Das ist eine Verschwendung von Geldern, die nicht vorhanden sind«, empörte sich ein anderer. Die Hoffnung der Gegner besteht vor allem darin, daß das Projekt »an sich selbst« bzw. an fehlenden Mitteln scheitert. In den nächsten Wochen werden weitere Aktionen gegen den Wiederaufbau stattfinden, darunter Lesungen, Filmvorführungen und Kundgebungen. Auch auf dem Ostermarsch am Samstag in Potsdam wird zum Widerstand das Projekt aufgerufen (siehe Seite 3).
www.ohne-garnisonkirche.de

Quelle: http://www.jungewelt.de/2013/03-23/054.php