Kölner | Soldatengottesdienst - Kampfnonnen im Einsatz

Donnerstag, 10. January 2013

Im Dom lief anfangs alles wie gehabt: Kardinal Meisner ermahnte die Soldaten mit Worten des Zweiten Vatikanischen Konzils , “ sich als Diener der Sicherheit und Freiheit der Völker zu betrachten”. “ Das allein legitimiert den militärischen Dienst in der Unvollkommenheit unserer Welt”. Der Kardinal erteilte den anwesenden Soldaten die Absolution für ihre „Arbeit“, und somit auch für die „kleinen Entgleisungen“ am Rande. Wo gehobelt wird, da fallen Späne!

Die Kritik der ca. 60 Demonstranten “Kundus beginnt im Dom” war also berechtigt.

Am Ende des Gottesdienstes geschah allerdings etwas äußerst Ungewöhnliches. Meisner sagte: “Friedensstifter sind alles andere als harmlos …. Sie stellen das eingespielte Machtgefüge dieser Welt in Frage. Friedensstifter setzen der wirklichen Macht des Stärkeren schon dadurch Grenzen, dass sie sich seinen Gesetzen nicht einfach unterwerfen.”

Sollte das ein Aufruf an die Soldaten sein, den Gehorsam gegen ihre Auftraggeber zu verweigern, die Waffen wegzuwerfen und zu desertieren? Endlich so zu handeln wie rational denkende Menschen?

Ich fürchte NEIN!

Er ist nur einmal mehr rhetorisch über seine eigenen Füsse gestolpert.

Haben die anwesenden Soldaten das vielleicht begriffen?

Ich fürchte NEIN!

Denn Glauben und Gehorsam machen alles so einfach, und zumindest der Glaube selig. Und so sahen dann die gesegneten Soldaten auch aus, als sie den Dom verliessen.: Unverständnis für die ca. 60 Demonstranten und deren Slogan “Kundus beginnt im Dom” und ihre Forderung nach “Kampfnonnen - Brigaden”.

Warum Kampfnonnen? Gerade nach dem Massaker von Kundus an über 140 Zivilisten - befohlen von Oberst Klein- sinkt die Zustimmung für Bundeswehreinsätze stetig. Trotzdem fordert der Kriegsminister de Maizire eine stärkere gesellschaftliche Debatte über die Ausweitung von Bundeswehreinsätzen.

Die vorgeschlagenen Kampfnonnen sollen für Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen, denn “ In betenden Händen ist die Waffe vor Missbrauch sicher” ( Meisner 1996 ).

Nun denn “Killing softly” !

 

--------- Flugblatt ---------

Heute, am 10. Januar 2013 nimmt zum ersten Mal bei Joachim Kardinal Meisners Soldatengottesdienst im Hohen Dom zu Köln, neben 1.500 Bundeswehrsoldaten und Soldaten aus anderen Nato-Staaten, die neu gegründete Kampfnonnen-Brigade teil.

Ihre Einrichtung war notwendig geworden, weil die Menschenrechts-Begründung für die deutschen Kriegseinsätze in Afghanistan und aller Welt immer weniger Glauben in der Bevölkerung fand. Zur Zeit sind 6.600 Bundeswehrsoldaten in 12 Einsätzen auf 3 Kontinenten tätig.

Nonnen als Menschenrechtsschützerinnen kommen besser an als Soldaten, hat die Akzeptanzforschungsagentur dpaa (Deutsche Publikums-Akzeptanz-Agentur) in Umfragen herausgefunden. Auch Soldatengottesdienst-Teilnehmer Thomas de Maizière wird die Brigade der Gotteskriegerinnen mit neuer Hoffnung erfüllen. Ist sie doch geeignet, die „robusten Kampfeinsätze“ der Bundeswehr in gnädigerem Licht erscheinen zu lassen. „Als Christ verfechte ich die Überzeugung: Gewalt bleibt immer ein Übel, auch wenn sie einem guten Zweck dient. Wann kann Gewalt zur Überwindung von Gewalt legitim sein? Hier gilt es abzuwägen...“, so de Maiziere am 1.7.2012 im MDR.

Bei der neuesten Abwägung hat sich nun die Waagschale zugunsten der Nonnen-Brigade gesenkt. Denn wie schwer ist es, dem Bundesvolk zu vermitteln, dass ausgerechnet Soldaten, die eigens zur Gewaltanwendung ausgebildet werden, die Gewalt in Afghanistan, Somalia, Mali und anderswo beenden sollen?! In Afghanistan z.B. ist das deutlich fehlgeschlagen.

Bringt der Nonnen-Einsatz nun die rettende Wende? Gerade nach dem Massaker von Kundus in Afghanistan, bei dem 140 Zivilpersonen auf Befehl des deutschen Obersten Klein umgebracht wurden (inzwischen wurde er zum General befördert), haben die Zweifel an den Missionen der Bundeswehr zugenommen. Nun verlangt die Maiziere „eine stärkere gesellschaftliche Debatte über eine A u s w e i t u n g der Bundeswehr-Einsätze“ (MDR).

Dabei wird die neue Brigade der Kampfnonnen sicherlich helfen, denn:
„In betenden Händen ist die Waffe vor Missbrauch sicher“
(Joachim Kardinal Meisner)

Der Gottesdienst beginnt um 9 Uhr, Protestierende sammeln sich ab 8 Uhr vor dem Dom.