Göttingen | Kriegsmal mit Ausstellung besetzt

Montag, 28. Oktober 2013

Hier noch einmal die Ankündigung zur Ausztellung und vielen lieben Dank für ALLE menschen die sich die Auszellung angekuckt haben oder sonstewie solidarisch sind. (Bis jetzt gab es auf diese Aktion nur positives Featback, weshalb davon auszugehen ist, dasz sie so trotz Unwetter weiter stattfinden wird. Also liebe Göttinger*Innen, besucht uns doch einmal. Dunkelheit und Unwetter können wir unter regendichten Plane und mit Lampen abfeiern. Und wenn das Mahnmal einmal nicht spät Abends beleuchtet ist, scheut euch nicht den Auszeller im Zelt anzusprechen, um wieder Licht ins Dunkle zu bringen. Er freut sich glaub ich um jeden Besuch und Unterstützung.

 

P.S.: Champus, Bier, Wein und Kartoffelschnaps zum anstoszen und gemütlichen beieinander sein, BITTE selbst mitbringen. :)

 

Einführung in die Ausztellung: "Sag nie, du gehst den letzten Weg" - Frauen im Widerstand gegen Faschismus und deutsche Besatzung.

 

Hannie Schaft, "das Mädchen mit den roten Haaren", war knapp zwanzig Jahre alt, als sie von der Gestapo in Holland zum Staatsfeind Nummer eins erklärt wurde. In Warschau jagten die Vollstrecker der "Endlösung" hinter einer "Wanda mit den Zöpfen" her, die in Wirklichkeit Niuta Tejtelbojin hiesz, zwanzig Jahre alt und Jüdin war. An den Fronten des spanischen Bürgerkrieges standen die Franco Putschisten sechzehnjährigen Milicianas gegenüber. In den Ghettos Osteuropas, in den besetzten Niederlanden, in Titos Partisan*Innenarmee, von Lyon bis Bialystok kämpften auch Frauen mit der Waffe in der Hand gegen den nationalsozialistischen und faschistischen Terror. Doch während ihre männlichen Kameraden nach dem Krieg als Helden gefeiert wurden, versanken sie im Dunkel der Geschichte: Diese Frauen hatten allzu radikal gegen ihre Rolle als wehrlose, friedfertige Wesen verstoszen, so Ingrid Strobl.

 

Viele dieser Frauen aus dem Widerstand, die ihr überleben sichern konnten und nicht ermordet wurden, tendieren heute dazu, Widerstandsaktivitäten und Verdienste in der Resistance, bzw. ihre Rolle als Frau nach der Liberation zu verschweigen. Das gilt vor allem für militärische Aktionen. Aufgrund ihrer Sozialisation neigen Frauen möglicherweise dazu, ihre eigenen Widerstandstätigkeiten nur mit sehr kargen Worten zu würdigen. Das Gefühl, einen wichtigen, aber im Vergleich zu den Männern meist keinen gleichwertigen Dienst verrichtet zu haben, mag zudem von einigen Frauen internalisiert worden sein. Ein weiterer Grund für ihre Verschwiegenheit könnte die Aufrechterhaltung der Konspiration sein, d.h. eine ungebrochene Rolle als Widerstandskämpfer*In, psychologische Verdrängungsmechanismen, um militärische Aktionen zu verschweigen oder die gesellschaftliche mangelnde Anerkennung, die vielen Frauen nach der Liberation zuteil wurde. Eine Marginalisierung der Frauen in und aus der Resistance lässt sich aber auch auf die Vorherrschaft der Männer, des Patriarchats in und aus der Resistance und auf die Bescheidenheit der Widerstandskämpfer*Innen zurückführen, aber auch auf die faschistische Propaganda. Aber mit der Beschreibung ihrer Aktivitäten wird den Frauen kaum eine Würdigung ihrer Leistungen zuteil, sondern ihre Tätigkeiten werden auf reine Hilfsfunktionen reduziert. Deshalb soll die Ausstellung einen Beitrag darstellen, die diese Frauen in den Fokus rückt und zugleich würdigt, ohne inhaltlich und persönlich auf die Individualgeschichte der Frauen einzugehen.

 

(Bilder sprechen Bände.) Wenn dies doch interessiert, der/die kann sich einen bereitgelegten Ordner mit Quellenangaben und persönlichen Geschichten, Biographien der jeweiligen Frauen gerne anschauen!

 

Darüberhinaus möchte ich betonen, dasz Frauen in allen Widerstandsaktionen beteiligt waren. Die Phase des Widerstandskampfes war ein wichtiges Entwicklungsstadium für die Emanzipation der Frau. "Der Widerstand sei auszerdem für viele Frauen ein Weg gewesen, aus der traditionellen Frauenrolle auszubrechen, eigenen Mut auf die Beine zu stellen und das Leben zu verändern", so Florence Herve.

 

Die Beweggründe der Frauen Widerstand zu leisten sind vielfälltig und laszen sich nicht auf einen Beweggrund reduzieren. So nennen die Frauen politische, ideologische, religiöse und persönliche Motive für ihren Eintritt in den Widerstand. Seltener genannt werden, so Fabrice Maerten (belgischer Historiker), ein Hang zum Abenteuer, der Antifaschismus und der Erhalt der Freiheit. Viele der jüdischen Frauen verbinden ihren Eintritt in den Widerstand mit einem historischen Ereignis: Mit Razzien, die gegen sie persönlich, gegen ihre Familie oder generell gegen Juden gerichtet waren und häufig die Deportation von Familienmitgliedern in die Vernichtungslager der Deutschen zur Folge hatte. Aufgrund der lebensbedrohlichen Situation bangten viele um ihr eigenes Leben, unternahmen Fluchtversuche, häufig in die "zone libre", denn ihr Leben im Untergrund liesz ihnen oft keine andere Wahl: Ihr Weg in den Widerstand war häufig vorbestimmt, trug doch die Versorgung mit falschen Papieren durch die Untergrundbewegung zu ihre persönlichen Sicherheit bei. Wenngleich äuszere Zwänge und Zufälle den Eintritt in den Widerstand forcierten, so erwies sich der vorherrschende "Widerstandsgeist" als tragendes Konzept für die Arbeit in der Resistance und für die Strategien, die es in der Zukunft zu entwickeln galt.

 

Quellenangaben zu den Texten über die Ausztellung, aus den Büchern: "Sag nie, du gehst den letzten Weg - Frauen im Widerstand gegen den Faschismus und deutsche Besatzung" von Ingrid Strobl, "Les femmes et la Resistance" von Laurence Thibault (Lyon) und "Femmes et Resistance en Hainaut" von Fabrice Maerten (Belgien).

 

An die 1., 2., 3., 4. Generation der Shoa: Der Künstler David don Quijote möchte darauf hinweisen, dasz Teile aus zusammengestellten Kollagen Kriegsgeschehen beinhalten, die sich so oder ähnlich im Alltag der Resistance zugetragen haben können. Deshalb kann die Möglichkeit einer Re-Traumatisierung bestehen! Dieses Leid will er auf gar keinen Fall reproduzieren und ist deshalb leider nur in deutscher Sprache ansprechbar selbst vor Ort, damit Vorbesichtigungsfragen gestellt werden können, die die Ausztellung erträglicher machen.