Göttingen | Aktionen im Vorfeld der Militärmusikveranstaltung

Dienstag, 20. November 2012

Scheinbar hat es in den letzten beiden Tagen antimilitaristische Aktionen gegen eine heute Abend in der Göttinger Stadthalle stattfindene Militärmusikveranstaltung des Heeresmusikkorps 2 aus Kassel mit dem wohlklingenden Titel "Keiner soll einsam sein" gegeben.

Vorgestern, am 18.11, so berichteten die Göttinger Lokalpresse und die Polizei gleichlautend, gab es antimillitaristische bzw. "bundeswehrbezogene Parolen im Vorfeld des Wohltätigkeitskonzertes". "Zwei Tatverdächtige seien dabei von der Polizei vorläufig festgenommen worden".

Gestern Abend, am 19.11, waren ebenfalls antimilitaristische Parolen wie "Soldaten sind Mörder" in der Jüdenstraße an der Fassade des Göttinger Tageblattes zu lesen. Vermutlich ebenfalls wegen des angesprochenen Konzertes, das legt zumindest die Wahl der Parole nahe. Wahrscheinlich deshalb an diesem Ort, da das GT diese Militärmusikveranstaltungen in der seit Jahren regelmäßig selbst organisiert und in der Vergangenheit sehr unkritisch in seiner Berichterstattung darüber war und die vielfältigen und zahlreiche Proteste nur äußerst selten erwähnte. Eine ausgewogene Berichterstattung, auch über Proteste bzw. Kritik an Militärmusik in der eigenen Zeitung würden dem Lokalblatt bestimmt mal gut zu Gesicht stehen.

Das alles kommt aber nicht von ungefähr, denn der Protest gegen solcherlei Konzerte hat seit Jahren Tradition in Göttingen und ist auch nicht ganz unbegründet: Denn die öffentliche Darbietung von Militärmusik dient unweigerlich der Akzeptanzbeschaffung für Militär und kriegerisches Handeln. Militärmusik ist Musik von und für SoldatInnen. Zu ihren offiziellen Aufgaben zählte und zählt die Ordnung der militärischen Abläufe durch Märsche und Truppenzeremonielle, die Repräsentation und die Ehrung von Gästen in Form eines militärischen Protokolls wie dem „Großen Zapfenstreich“. Militärmusik dient bis heute der psychologischen Unterstützung und Motivation von SoldatInnen in der Kampfvorbereitung und in Kriegshandlungen. Sie fördert die soldatische Identitätsfindung und emotionale Integration in den Militärkörper. Nicht zuletzt soll Militärmusik ein Bindeglied zwischen den kämpfenden Truppen und der Bevölkerung sein. Deutschland führt Krieg und wird seine national-ökonomischen Interessen zukünftig immer häufiger militärisch durchsetzen. Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht wird die Bundeswehr ihre Anstrengungen weiter erhöhen, junge Menschen für Militär und mörderische Auslandseinsätze zu werben. Das Image von kämpfenden, tötenden, verletzten und gefallenen SoldatInnen muss dazu aufpoliert werden.

(Quelle)