Flensburg: Proteste gegen Werbemobil der Bundeswehr an Bildungszentrum

Montag, 26. November 2012

Flensburger SchülerInnen des Regionalen Bildungszentrums (Kooperation zweier Berufsschulen: der Eckener und der Hannah-Arendt Schule) staunten am Dienstag morgen nicht schlecht, denn auf der Einfahr zu ihrer Schule hatte sich die Bundeswehr mit ihrem Werbemobil aufgebaut, um den Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Vorteile einer Karriere beim Militär näherzubringen. Gelockt wurde mit den üblichen Phrasen von sicheren Jobs, guter Bezahlung, Aufstiegschancen, Männlichkeitsidealen und einem Hauch Abenteuer. Eine Jugendoffizierin war abkommandiert um durch die Klassen der Eckener Schule zu gehen und für die Bundeswehr zu werben. Bei der "Puddingschule" Hannah-Arendt Schule (pädagogischer Schwerpunkt und mehrheitlich weibliche Schülerinnen) schien selbiges nicht von der Bundeswehr gewünscht zu sein - LehrerInnen der Hannah Arendt wussten nicht einmal, dass das Bundeswehrmobil kommt.

Glücklicherweise blieb der Besuch der Bundeswehr von antimilitaristischer Seite nicht unbeantwortet und sehr spontan konnte sich eine Gruppe von AktivistInnen finden, die mit Transparent und Flyern ausgerüstet den Mythos Bundeswehr entzaubern wollte. Die Bundeswehroffiziere versuchten das noch mit etwas bequatschen abzuwenden, der Stuss war aber so ein ausgemachter ("Deutschland führt keine Kriege, denn das ist laut dem Grundgesetz verboten") dass die AntimilitaristInnen wenig beeindruckt weitermachten. Bundeswehr und Schulleitung resignierten genervt und liessen die Proteste unwidersprochen passieren, "solange es friedlich bleibt." Das blieb es, die Bundeswehr hat nicht auf ihr Arsenal an Mordwaffen zurückgegriffen und der Bundeswehreinsatz im Inneren blieb bislang auch aus.

Insgesamt können wir ein positives Fazit ziehen. Die Werbearbeit der Bundeswehr wurde durch die Proteste empfindlich gestört, die Präsenz von DemonstrantInnen machte das Gespräch mit den Werbeoffizieren den meisten dann doch zu "peinlich". Das Echo seitens der Schülerschaft war gemischt. Es gab Zuspruch, aber auch saudoofe Platitüden. Inbesondere junge Männer versuchten sich mit irgendwelchen Klischees über Linke zu profilieren, waren dann in der Regel aber doch zu "feige" für ein wirkliches Gespräch. Kritisch bleibt anzumerken, dass ein solcher Werbebesuch an einer großen Flensburger Schule, inklusive Privataudienzen bei den Klassen, überhaupt möglich war. Militärpropaganda hat unserer Meinung nach vor allem dort nichts zu suchen, wo sie sich in den Mythos von angeblich neutraler Wissensvermittlung kleiden kann.

Dass der ganze Mist auf dem Wohlwollen der Schule gewachsen ist, zeigt sich unter anderem auch an dem Verhalten der Schulleitung gegenüber einer Schülerin, die als politisch aktiv gilt: sie wurde mit Schulverweis bedroht, sollte sie die Arbeit der Bundeswehr in irgendeiner Form behindern.

Es ist möglich, dass das Werbemobil der Bundeswehr die nächsten Tage (Mi. 28.1. und Do. 29.11.) wieder anwesend ist. Zumindest überhörten AktivistInnen ein Gespräch des leitenden Werbeoffiziers das darauf hinweist. Wir halten uns für den Fall jedenfalls bereit und werden wenn nötig auch besser vorbereitet wiederkommen.

(Quelle)