Bochum | Jugendamt stemmt sich gegen Entmilitarisierung der Berufsbildungsmesse

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Doch damit nicht genug: SchülerInnen, die die Flugblätter der Friedensaktivisten mit in die Halle nehmen wollten, bekamen diese abgenommen. Angeblich beruhte dies auf einem Missverständnis, wurde aber auch am zweiten Messetag genauso gehandhabt. Auch Lehrer, die für ihren Klassen das Infomaterial der Demonstranten mitgenommen hatten, wurden aufgehalten: http://www.bo-alternativ.de/2013/10/10/rohrkrepierer-ii/#more-44253

Offenbar war es der Bundeswehr und ihren Erfüllungsgehilfen so wichtig, keinen Präzedenzfall der Ausladung der Bundeswehr von einer solchen Messe zuzulassen, dass hier die Meinungsfreiheit mit Füßen getreten wurde.

Mit Unverständnis und Empörung hat das Bündnis “Schule ohne Bundeswehr NRW” die Entscheidung des Rates der Stadt Bochum zur weiteren Bundeswehr-Präsenz auf der diesjährigen Berufsbildungsmesse Mittleres Ruhrgebiet aufgenommen.

Der Bundeswehr-Einsatz auf der Messe ist höchst umstritten. Noch im Juli hatte das Jugendamt Bochum die Bundeswehr ausgeladen und war somit der UN-Kinderrechtskonvention nachgekommen, die Militärwerbung bei Minderjährigen untersagt. Vorher schon hatte sich der Jugendhilfeausschuss der Stadt Herne gegen eine Teilnahme der Armee an der Messe ausgesprochen. Dies wollte die Bundeswehr jedoch nicht hinnehmen und ließ ihre Lobbyisten im Rat der Stadt Bochum einen Beschluss durchsetzen, der nun wieder eine Werbung für das Militär bei vorrangig minderjährigen Schülerinnen und Schülern ermöglicht.

„Das Jugendamt Bochum und auch der Jugendhilfeausschuss der ebenfalls beteiligte Stadt Herne hatten die richtige Konsequenz gezogen und die Werbung der Bundeswehr auf der Berufsbildungsmesse abgelehnt.“ stellt Joachim Schramm von „Schule ohne Bundeswehr NRW“ fest. „Die Tätigkeit bei der Bundeswehr ist unauflöslich mit der Kriegsführung verbunden, setzt also die Bereitschaft zum Töten voraus und ist in zunehmendem Maße mit dem Risiko des Getötet-Werdens und der schweren psychischen Beeinträchtigung verbunden.” Um dies zu verschleiern, will die Bundeswehr in Bochum nun nur für “zivile” Tätigkeiten werben. “Eine wirkliche Trennung zwischen zivil und militärisch gibt es bei der Armee doch gar nicht.” meint Schramm. “Der vermeintlich „zivile“ Fluggerätelektroniker z.B. wartet Radar- und Kommunikationsanlagen, die für Kriegsaktionen benötigt werden. Es bleibt also dabei: Die Bundeswehr bietet keine normalen Jobs an und hat daher auf einer Messe für Jugendliche nicht zu suchen.”

Hier die vollständige Presseerklärung des Bündnis “Schule ohne Bundeswehr NRW”

In Bochum rufen das Friedensplenum und andere Organisationen zu Protesten auf http://www.bo-alternativ.de/category/berufsbildungsmesse-krieg-beginnt-hier/

Quelle: http://www.schule-ohne-bundeswehr-nrw.de/

 

Der Aufruf:

Die Bundeswehr ist kein „Arbeitgeber wie jeder andere“. Wenn junge Menschen für eine sogenannte „zivile Karriere“ beim Militär geködert werden sollen, ist dies eine bewusste Täuschung. Alle Beschäftigten sind letztlich – direkt oder indirekt – daran beteiligt, Kriege zu führen, voranzutreiben, zu verbessern oder zu legitimieren. Deutschland ist inzwischen drittgrößter Waffenexporteur der Welt und die Bundeswehr in immer mehr Auslandseinsätzen aktiv. Mit Werbeauftritten wie diesem sollen permanenter Krieg und Militär als etwas „Normales‘ dargestellt werden. Wir werden es uns nicht nehmen lassen, unseren Unmut auch außerhalb der Universität, im Ruhrcongress, zum Ausdruck zu bringen. Unter dem Motto „Krieg beginnt hier“ werden wir den Bundeswehr-Stand zusammen mit Bochumer Schüler*innen massiv stören.

Am 11. Juni blockierten und verhinderten etwa 40 Studierende und Antimilitarist*innen einen Werbevortrag der Bundeswehr an der Ruhr-Uni.  Nun will die Bundeswehr erneut für Kriegseinsätze bzw. deren „zivile“ Vorbereitung werben. Am 9. und 10. Oktober werden Jugendoffiziere versuchen, mit einem Stand auf der „Berufsbildungsmesse mittleres Ruhrgebiet“ im RuhrCongress um Nachwuchs zu buhlen.

Der Bundeswehr-Einsatz ist in Bochum ist höchst umstritten. Noch im Juli hatte das Jugendamt die Bundeswehr ausgeladen und war somit der UN-Kinderrechtskonvention nachgekommen, die Militärwerbung bei Minderjährigen untersagt. Dies wollten Bundeswehr und CDU nicht hinnehmen. Nun wird der Rat der Stadt Bochum am Donnerstag über die Präsenz der BW-Recruiting-Abteilung entscheiden. Als wahrscheinlich gilt ein „Kompromiss“, dahin gehend, dass die Bundeswehr nur für „zivile Berufe“ werben soll.

Die Bundeswehr ist kein „Arbeitgeber wie jeder andere“. Wenn junge Menschen für eine sogenannte „zivile Karriere“ beim Militär geködert werden sollen, ist dies eine bewusste Täuschung. Alle Beschäftigten sind letztlich – direkt oder indirekt – daran beteiligt, Kriege zu führen, voranzutreiben, zu verbessern oder zu legitimieren. Deutschland ist inzwischen drittgrößter Waffenexporteur der Welt und die Bundeswehr in immer mehr Auslandseinsätzen aktiv. Mit Werbeauftritten wie diesem sollen permanenter Krieg und Militär als etwas „Normales‘ dargestellt werden. Wir werden es uns nicht nehmen lassen, unseren Unmut auch außerhalb der Universität, im Ruhrcongress, zum Ausdruck zu bringen. Unter dem Motto „Krieg beginnt hier“ werden wir den Bundeswehr-Stand zusammen mit Bochumer Schüler*innen massiv stören.

Für eine Gesellschaft ohne Grenzen und Kriege!
Bundeswehr raus aus den Schulen, Unis, Arbeitsämtern, ...
Sand ins Getriebe der militärischen Rekrutierungsmaschinerie!