Berlin | Bundeswehrgelöbnis ruft Blutbad hervor

Samstag, 20. Juli 2013

GelöbNIX: Berliner Antimilitarist_innen haben heute aus Protest gegen das Bundeswehrgelöbnis ein "Blutbad" angerichtet. Die satirische Performance führte die künftigen Aufgaben der Bundeswehrrekruten vor Augen.
Berliner Antimilitarist_innen haben heute aus Protest gegen das Bundeswehrgelöbnis ein Blutbad in der Stadtmitte angerichtet. Vor der Neuen Wache am Boulevard Unter den Linden nahm ein Aktivist in Tarnfleck-Uniform ein Bad in einem mit Blut gefüllten, aufblasbaren Swimmingpool. Dabei war er, wie im richtigen Bundeswehrsoldatenleben, von jeder Menge Leichenteile umgeben, genauer gesagt mit abgetrennten Gliedmaßen. „Um das Innere nach außen“ zu kehren, wie Moderator Dr. Seltsam erläuterte, trug der im Lauf der Aktion vor Blut triefende „Soldat“ außerdem eine Schweinemaske.

Veranstalter der Aktion war der Landesverband Berlin-Brandenburg der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsgegnerInnen (DFG-VK). Die begründete den Protest damit, die Aktion führe deutlich vor Augen, worin die künftigen Aufgaben jener Soldaten bestünden, die heute am Reichstag ihr Gelöbnis ablegten. Dabei verwiesen sie unter anderem auf das Massaker, das der frühere Bundeswehr-Oberst Georg Klein im September 2009 am Kunduz-Fluss verantwortet hatte, als er weit über 100 Menschen, zumeist Zivilisten, durch Kampfflugzeuge hat umbringen lassen. Dieses Blutbad hatte zwar gegen eigene Regeln des ISAF-Kommandos und auch gegen bundeswehrinterne Einsatzregeln verstoßen, dennoch kam Klein nicht vor Gericht. Im Gegenteil: In diesem Frühjahr wurde er zum General befördert.

Daran anspielend, wurde dem Schweinesoldaten, als er am Schluss der Aktion bluttriefend aus dem Pool stieg, ein Verdienstkreuz in Schwarz-Rot-Gold an die Brust geheftet.

Die offiziellen Propagandablasen, Soldaten riskierten ihr Leben angeblich für „Frieden, Recht und Freiheit“, wurden auf einem Transparent richtiggestellt: „Ja, krepieren – für Rohstoffe, Profit und Machterhalt“ und schlicht, aber bündig: „Soldaten sind Mörder, keine Helden“.

Ein als "Helfershelfer" in einem weißen Schutzanzug ausgewiesener Aktivist verteilte währenddessen Prosecco an die Zuschauer_innen - gedacht zur Feier der Tatsache, dass ein Soldat in aller Welt mordet, um die Interessen des Kapitals zu vertreten.

Die Berliner Polizei hatte das Blutbad im Vorfeld gebilligt und hielt sich auch weitgehend im Hintergrund, war aber sichtlich beunruhigt: Akribisch wurde jede einzelne Flasche des veganen Kunstblutes (auf Rote-Beete-Basis) in Augenschein genommen, auch Geruchsproben führten die Beamten durch. Der Satire stehen die Träger des staatlichen Gewaltmonopols halt doch sehr misstrauisch gegenüber. Die Performance, die von nur drei Aktivist_inn_en durchgeführt wurde – drumherum eine nicht zu schätzende Zahl von Sympathisant_innen und spontanen Zuschauer_innen – wurde von nicht weniger als neun Polizeiwannen „gesichert“.

Angaben zu link auf Videos und Fotos folgen.
Die Veranstalter_innen tragen außerdem nach, dass es nicht in ihrer Absicht lag, Schweine zu diffamieren!

Quelle: www.bamm.de