Berlin | Bundeswehr im Berufsinformationszentrum gestört

Donnerstag, 21. March 2013

Antimilitarist*innen statteten heute dem Berufsinformationszentrum in der Berliner Friedrichstraße einen Besuch ab. Ein Transparent mit der Aufschrift: „Krieg beginnt hier“ wurde entrollt. Außerdem verlasen die Aktivist*innen einen Flyer, der auch an die Anwesenden verteilt wurde:

 

Wir sind heute hier, weil wir uns klar gegen Krieg und die Bundeswehr positionieren wollen. Wir werden nicht stillschweigend akzeptieren, dass die Bundeswehr hier in Kooperation mit der Arbeitsagentur junge, sich orientierende Menschen mit verharmlosenden Werbestrategien zu rekrutieren versucht.

Soldat*in ist kein normaler Beruf. Soldat*in sein heißt, im brutalen Krieg um wirtschaftliche Interessen zu kämpfen, Menschen zu töten und ständig selbst das Risiko des Sterbens zu tragen. Es geht hierbei nicht um „gut bezahlte Arbeitsplätze“, „Karrierechancen“ oder die „Sicherung des Friedens“, sondern es geht ganz im Gegenteil und ganz entschieden um das (Mit-)Führen von Krieg.

Wir sprechen uns gegen das hier von der Bundeswehr präsentierte „Werben fürs Sterben“ aus. Bundeswehr raus aus den Köpfen, raus aus der Öffentlichkeit, Armeen abschaffen! Wir sind gegen eine Militarisierung der Gesellschaft. Gegen das Töten und Sterben für Staat, Nation und Wirtschaftsinteressen.

Krieg beginnt hier – stoppen wir ihn hier! Lasst uns in einem ersten Schritt jetzt alle gehen...“

 

Hintergrund

Seit Mitte 2011 gibt es in Deutschland keinen verpflichtenden Wehrdienst mehr. Parallel sinkt die Zahl der Jugendlichen seit 2008 kontinuierlich. Dementsprechend großen Aufwand betreibt die Bundeswehr bei der Nachwuchssuche. Neben Schulbesuchen und Ständen auf großen Messen nutzt die Bundeswehr auch Auftritte im Jobcenter und Arbeitsagenturen als Rekrutierungsinstrument. So informieren Wehrdienstbeauftragte im „BIZ Mitte“ Jugendliche über Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten bei der Bundeswehr. Arbeitsagenturen in ganz Deutschland bieten ihre Räume für Werbeshows an, bei denen junge Menschen für Ausbildungen zum Krieg und damit zum Morden gewonnen werden sollen. Warum ist klar: Die Bundeswehr leidet unter einem Mangel an Personal, der Arbeitsmarkt an einem Überschuss von potentiellen Arbeitskräften.

Im Mai 2012 wurde die Kooperationsvereinbarung von 2008 zwischen der Bundeswehr und der Bundesagentur für Arbeit zur Personalgewinnung und Vermittlung erneuert und ausgeweitet. Diese beinhaltet außer den gemeinsamen Rekrutierungsveranstaltungen auch, dass ausgeschiedene Zeitsoldat*innen als Fachkräfte zurück in zivile Berufe vermittelt werden sollen. Am Ende landet mensch also wieder bei einer*m Sachbearbeiter*in im Jobcenter.

Die Einladungen zum Krieg werden auf den Monatsveranstaltungen der Jobcenter als „berufliche Verwendungsmöglichkeiten in der Bundeswehr“ beworben. Dass die Bundesagentur und die Bundeswehr hierbei kooperieren verwundert nicht, fordert die Bundesagentur doch seit langem immer härteres Vorgehen mit unter 25-Jährigen, die nicht ehrfürchtig jedes Jobangebot unhinterfragt annehmen. Der Druck auf Erwerbslose spielt der Bundeswehr dabei direkt in die Hände: abgesenkte Regelsätze, Auszugsverbot bei den Eltern und stetige Verpflichtungen zu 1-Euro Jobs oder anderen Maßnahmen begünstigen, dass sich junge ALG II Empfänger*innen bei „hoher Entlohnung“ zur Ausbildung an der Waffe verführen lassen.


BUNDESWEHR WEGTRETEN

nächste Termine vom Jobcenter Mitte: BIZ Mitte, Friedrichstr. 39, 16 Uhr-18 Uhr donnerstags am 25.4., 23.5. und 13.6.

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/81899